Graziella Contratto

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10 october 1998

For the Berlin Philharmonic a female assistant conductor

(excerpts)

A fascinating side-light to the Mahler performance took place last Monday at the Manhattan School of Music where Graziella Contratto imparted sharp musical insights during her rehearsal while she was replacing Maestro Abbado. Tall and lean, she used her wide wingspan cannily to illustrate the horizontality and lack of metric stress she wanted in what she called this “most unbeaten” music. Elmar Weingarten, the general manager of the Berlin Philharmonic, said: “She has been received very well, and compared to her male predecessors, exceptionally well.”

Ms. Contratto, it seems clear, will make her way into public view soon, if not in Berlin, then elsewhere.

 
   
       

10. Februar 1998

Konzerthaus : Akademisches Orchester mit Mahlers Dritter/ Konzerthaus Freiburg

TÖNENDE KOSMOLOGIE

(Ausschnitt)

Dass den Studenten des Akademischen Orchesters Freiburg eine Aufführung glückte, in der spieltechnische Solidität, Gestaltungsernst und nie nachlassende Ausdrucksleidenschaft den Lauf der Dinge bestimmten, nicht also musikalische Vermessenheit, sondern sattelfestes musikalisches Bescheidwissen den guten Ton angab, musste Staunen, ja gar Bewunderung hervorrufen. Dies aber galt auch und zuerst einer absolut souveränen Dirigentin – Graziella Contratto, seit kurzem C. Abbados Assistentin in Berlin – kontrollierte den grossen Orchesterapparat, die Abstimmung in der Klangbalance, das Timing der Übergänge mit fabelhafter Metiersicherheit. In jedem Schlag spürte man ihre präzise Technik des Vermittelns, die zielgenaue Wirkung, die musikalische Motivationskraft. Sie sorgte in dem Mammutwerk für klar disponierte Abläufe, führte mit charakterlicher Bestimmtheit durch seine ausgedehnten Ruhe- und Sturmzonen, setzte - gestützt auf eine prächtige Blechbläsergruppe - machtvolle Ausdrucksenergien frei und liess Mahlers Brüche artikulieren, ohne dass ihr die Musik dabei unter den Fingern zerbröckelte. Und weil sie es ganz offensichtlich verstand, das Spielvermögen dieser musizierenden Hundertschaft zu optimieren, fügte sich hier grosse Sinfonik ohne nennenswerten Substanzverlust, zu einem kraftgebündelten, im feierlich-entrückten Adagiofinale wundervolle innengeleiteten Ganzen.

Das rappelvolle Konzerthaus quittierte es mit Ovationen.

Fritz Winterlin