Persönlich

Graziella Contratto Dirigentin

© Frédéric Angleraux

Zu Beginn meiner Ausbildung zur Kapellmeisterin  stellte Dirigieren für mich Kammermusik auf höchstem Niveau dar. Als leidenschaftliche Begleiterin war ich denn auch von früher Kindheit an in meinem musikalischen Denken und Fühlen geprägt worden. Erst später gesellte sich das Bewusstsein dazu, dass auch ein orchestrales Expertenensemble Klarheit, interpretatorische Schärfe oder ganz einfach Führungsqualitäten erwarten darf.

Jedes Orchester, das ich bisher leiten durfte, gab mir neue Einsichten in die Musik und meinen Umgang mit ihr, sei es durch das individuelle, inspirierende Spiel einzelner SolistInnen oder durch den ganz spezifischen kollektiven Klang, durch die Tradition oder den Innovationswillen und die Neugier des Ensembles. Aber auch Konflikte und Reibungen haben  zur Entwicklung  beigetragen.

In den Jahren meiner Tätigkeit als Dirigentin in Frankreich ( Orchestre des Pays de Savoie, Orchestre National de Lyon, Ensemble orchestral Basse-normandie, Orchestre de Picardie, Orchestre des Lauréats du CNSMP Paris, Orchestre de Jeunes Atlantique ), Deutschland (Stuttgarter Kammerorchester, Göttinger Sinfoniker, Deutsches Kammerorchester Berlin, Philharmonie Berlin, Akademisches Orchester Freiburg i.Br.), Österreich ( Salzburger Osterfestspiele, Orchester der KUG Graz), in Spanien, Italien, den USA und in der Schweiz (Tonhalle Zürich, Berner Symphonieorchester, Camerata Schweiz, Basler Sinfonieorchester, Musikkollegium Winterthur, Orchestra della Svizzera Italiana, Orchestre de Chambre de Genève, Zürcher Kammerorchester) konnte ich nicht nur meine persönliche Kultur verfeinern, sondern nahm aus jedem künstlerischen Dialog neue Anregungen auf.

In meinem Repertoire zeichnen sich zwei Schwerpunkte ab: Spätromantik und  frühe Moderne ab Wagner, insbesondere die Übergangskomponisten in der Mahlernachfolge. Dazu kommt die zeitgenössische Musik mit mehreren Uraufführungen. Mein italienischer Herzanteil pocht allerdings am stärksten bei der Begleitung von Sängerinnen und Sängern. Und er schlägt heftig für die Oper, von Mozart über Verdi bis Ullmann, dessen Theresienstädter Oper ‚Der Kaiser von Atlantis‘, die ich 2007 in der Inszenierung von André Fornier und Mirella Weingarten in Frankreich leiten durfte, für mich musikalisch und menschlich zu den prägendsten Werken überhaupt gehört.